Der Übergang: Wenn das Alte endet und das Neue noch nicht da ist
Es gibt einen Moment in Veränderungsprozessen, der besonders schwer ist. Nicht der Moment, in dem man loslässt. Und nicht der Moment, in dem man ankommt. Sondern der Moment dazwischen.
Der Anthropologe Arnold van Gennep hat das als 'Schwellenphase' beschrieben. William Bridges nannte es den 'neutralen Raum'. Es ist die Zeit zwischen dem alten Ich und dem neuen, und sie ist fast immer unangenehm.
In dieser Phase fühlt man sich oft orientierungslos. Die alten Strategien funktionieren nicht mehr. Die neuen sind noch nicht eingeschliffen. Man spürt, dass etwas zu Ende geht, weiß aber noch nicht, was kommt.
Die kulturelle Botschaft lautet meistens: Beeil dich. Komm ins Handeln. Triff Entscheidungen. Mach was.
Meine Erfahrung ist eine andere. Die Schwellenphase ist keine Fehlfunktion, sie ist ein notwendiger Teil des Prozesses. Wer zu schnell aus ihr herauswill, bringt das Alte mit ins Neue. Die Dinge ändern sich, aber das Muster bleibt.
Wenn jemand zu mir in die Legung kommt und sagt 'Ich weiß nicht mehr, wer ich bin', dann ist das kein Symptom. Das ist genau der richtige Moment.
Karten helfen hier nicht dabei, schneller aus dem Zwischenraum herauszukommen. Sie helfen dabei, ihn auszuhalten. Zu sehen, was in diesem Moment da ist. Zu erkennen, was man bereits hat, auch wenn es sich noch nicht nach etwas anfühlt.
